Freiwilligenarbeit in Kambodscha

2 Volontäre 2 Wochen im Angkor Kids Center

Mascha und Joaquin: Das Fazit ihrer Zeit im Angkor Kids Center

Mascha und Joaquin haben in ihrer Zeit im Angkor Kids Center viel bewegen können und haben dabei, genau wie Laura, Chhay und die anderen freiwilligen Helfer ins Herz geschlossen. Wir sind uns sicher, dass sie diese Erfahrung nachhaltig geprägt hat und sie sich immer gerne an die spannende Zeit in Kambodscha erinnern werden und wir danken ihnen sehr für die tatkräftige Unterstützung. Lest bitte selbst, was sie über Ihre Freiwilligenarbeit im Angkor Kids Center resümieren:

Die Schule wurde 2009 von Samnang gegründet, er selbst lernte vor vielen Jahren ein deutsches Paar kennen, das ihm ermöglichte Englisch zu lernen. Daraufhin wollte er den Kindern aus seinem Dorf die gleiche Möglichkeit bieten und es entstand das Angkor Kids Center. Heute bestehet die Schule aus drei Klassenräumen und einem Raum der als Bibliothek, Computerraum und Büro dient. Sie hat eine eigene Toilette, einen Schulhof mit Klettergerüsten und eine angrenzende Spielwiese für die Kinder. Es gibt Strom und sogar WLAN, welches das Arbeiten für die Lehrer enorm erleichtert. Die Kinder kommen nach ihrer normalen Schule ins Angkor Kids Center und auch die Lehrer und Lehrerinnen sind Freiwillige und gehen selbst noch zur Schule.

Chhay, der auch gerade mal 22 Jahre alt ist, ist unserer Meinung nach das Herz und die Seele des Centers. Er ist der einzige Angestellte der Schule, gibt zwei Mal am Tag Computerkurse und unterrichtet zwei Englischklassen. Außerdem ist er derjenige, der die Schule auf und abschließt, sich um den Müll und auch um sonst alles kümmert. Wir haben ihn mit der Zeit sehr liebgewonnen und ohne ihn hätten wir wohl keine unserer Ideen verwirklichen können. Meist haben wir zusammen mit Chhay die Unterrichtsstunden vorbereitet. Aber auch andere Dinge, wie zum Beispiel einen Stundenplan, eine Übersicht aller neu gefundenen Lernspiele und mehrere Arbeitsblätter wurden erstellt. Wir haben die Bibliothek geputzt, Klettergerüste repariert und für neue Mülleimer gesorgt.

Der Unterricht, den wir mitverfolgen durften, hat uns gut gefallen und auch die Kinder waren unheimlich motiviert bei der Sache. Wir konnten zwar nur zusammen mit Chhay unterrichten, aber das war für die Kinder und auch für uns kein Nachteil. Überhaupt hat uns der Zusammenhalt und das Klima dort umgehauen. Man ging freundschaftlich miteinander um und auch wir wurden interessiert gemustert, angelächelt und gegrüßt. Wir können nur sagen, dass das Angkor Kids Center weit mehr als nur eine Schule darstellt. Es ist der Treffpunkt der Kinder, egal ob zum Lernen oder zum Spielen. Dort gibt es Bücher, Spielsachen, Fußballtore, Klettergerüste und die Türen sind (dank Chhay) den ganzen Tag für jedermann geöffnet.

Auch wenn es schwerfällt zu akzeptieren, dass Kinder nicht überall auf der Welt die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, so ist das Angkor Kids Center ein super Start in die richtige Richtung. Wir wünschen allen Beteiligten nur das Beste für die Zukunft und wir hoffen, etwas Gutes zu dem Projekt beigetragen zu haben.

Das Fußballfieber bricht aus

Mascha und Joaquin: Die Fußballsaison ist eröffnet

Es liegt ja fast auf der Hand, dass die deutschen Freiwilligen, den Fußball ins Angkor Kids Center einziehen lassen. Joaquin erzählt uns von der Anstrengung der Errichtung der entsprechenden Fußballtore und der anschließenden Saisoneröffnung:

Nachdem ich (Joaquin), aufgefordert von den Schülern des Angkor Kids Centers, ohnehin jeden Tag auf dem Schulhof oder der angrenzenden Wiese Fußball spielte, wurde Mascha und mir ziemlich schnell klar: „Fußballtore müssen her!”

Vorher sollte jedoch die Wiese neben dem kleinen Schulgebäude gesäubert und „entmüllt“ werden. Fast alle Schüler halfen mit und so war die Wiese nach kurzer Zeit wieder zu erkennen.

FußballtoreAm nächsten Morgen begannen wir gemeinsam mit Chhay an den Fußballtoren zu arbeiten. Natürlich wurden diese aus Bambus, welcher am Vortag von einigen Schülern mitgebracht wurde, hergestellt. Ohne jegliche Erfahrung dauerte die Vorbereitung etwas länger als gedacht, doch danach begannen wir, zwei, den Umständen entsprechend, sehr stabile Tore auf der Wiese zu bauen. Mehrere Schüler halfen beim Errichten mit und so gelang es Mascha und mir, auch noch in brühender, fast unerträglicher Hitze, die Tore in Deutschland und Kambodscha Farben anzustreichen. Jetzt kann die WM auch hierhin kommen!!!

Am gleichen Nachmittag kamen dann auch noch die Schüler und ein schweißtreibendes Fußballspiel auf dem neuen Spielfeld des Angkor Kids Centers nahm seinen Lauf.

Nächste Woche berichten Mascha und Joaquin von der leider allgegenwärtigen Müllproblematik in Kambodscha.

Die Reifenschlange

Mascha und Joaquin: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Mascha und Joaquin haben bereits ihre ersten Erfahrungen im Angkor Kids Center gesammelt und sind nicht nur voller Tatendrang, sondern auch sehr einfallsreich, aber lest selbst, was Mascha zu berichten hat:

Nun war unsere erste Schulwoche schon so gut wie vorbei und wir haben schon einige Sachen erreichen können. Die Klettergerüste wurden repariert und aufgefrischt und wir haben, selbstverständlich zusammen mit Chhay, viele Lernspiele und Unterrichtsstunden entwickelt.

Trotzdem überkam uns der Tatendrang am Freitag, aus alten Autoreifen, die wir neben der Schultoilette fanden, Reifentiere zu bauen. Wie, wussten wir selbst noch nicht genau. Und gerade diese Freiheit, einfachmal etwas zu erschaffen, ohne irgendwelche Regeln einhalten zu müssen, haben wir in unserer Zeit im Angkor Kids Center sehr genossen.

Nach unserem Wochenende sind wir dann auch frisch und höchst motiviert an die Arbeit gegangen. Wir haben uns für eine Schlange entschieden, die aus fünf Reifen bestehen sollte. Beim Löcher graben wurden wir tatkräftig von einigen Schülern unterstützt und so ging die schweißtreibende Arbeit, in der frühen Mittagshitze, schnell vorbei. Dann mussten wir die Reifen nur noch einsetzen, eingraben, feststampfen und anmalen.

Ich muss sagen, wir waren schon etwas stolz, in so kurzer Zeit und ohne einen Cent auszugeben, etwas Neues und Schönes zu erschaffen. Und auch Chhay, der sonst nicht viel aus seiner Mimik lesen lässt, hat sich sichtlich gefreut. Dadurch, dass am Nachmittag dann auch die ersten Kinder eintrafen und sofort begonnen haben auf dem neuen Spielgerät rumzuturnen, wurden wir auch direkt für unsere Arbeit belohnt. Ein toller Tag ging zu Ende und wir starteten glücklich in die neue Woche und in weitere Projekte.

Im dritten und nächsten Teil unserer Beitragsreihe eröffnet Joaquin die Fußballsaison.

Die neuen Volontäre - Teil 1

Mascha und Joaquin sorgen für tatkräftige Unterstützung

Im März sorgten zwei junge, motivierte Freiwillige wieder für tatkräftige Unterstützung im Angkor Kids Center. In den nächsten fünf Beiträgen könnt ihr hautnah ihre Abenteuer, Herausforderungen und Leistungen mitverfolgen. Eines können wir schon vorab sagen, auch die beiden werden, genauso wie Laura, ihre Zeit in Kambodscha nie vergessen und als sehr positive Erfahrung in Erinnerung behalten. Aber lest selbst Maschas Erfahrungsbericht, wie die zwei im Angkor Kids Center empfangen wurden:

Das erste Mal hörte ich (Mascha) vom Angkor Kids Center durch eine kleine Reportage im Fernsehen und war sofort begeistert. Da unser Vorhaben Anfang 2018 nach Asien zu reisen, schon feststand, hat dieses Projekt perfekt in unseren Zeitplan gepasst. Ich habe auch schnell eine Zusage auf meine Email erhalten und ein paar Monate später waren wir schon in Kambodscha.

Die neuen Volontäre - Teil 1

Durch die Internetseite des Angkor Kids Centers’ haben wir uns auch schon einen ersten Eindruck machen können, waren aber trotzdem sehr gespannt und nervös. Wir wurden morgens in Siem Reap von Samnang abgeholt und sind dann mit ihm in das kleine Dorf Samrong und in die angrenzende Schule gefahren. Dort haben wir auch Chhay kennengelernt, der uns die gesamte Zeit unseres Aufenthaltes begleitet hat. Unser erster Eindruck war, neben dem sich häufendem Müll rund um die Schule, sehr positiv. Trotzdem war schwer zu glauben, dass dort 200 Schüler unterrichtet werden sollen. Leider hat sich das Projekt vom Umfang her etwas reduziert – so wurde zum Beispiel das „green project“ nicht mehr verfolgt, da zum einen die Arbeit mit den Tieren einfach zu viel war und zum anderen noch kein Ausweg, aus dem immer wachsenden Anteil an Plastikmüll gefunden wurde. Trotzdem waren wir sehr gespannt auf die kommende Zeit und hofften natürlich, etwas Positives unsererseits beitragen zu können.

Unsere Gastfamilie war gerade nicht Zuhause, da im Dorf eine Hochzeit gefeiert wurde. Zu dieser wurden wir dann auch kurzerhand eingeladen und durften so die wahre Seite Kambodschas kennenlernen, was wir wirklich sehr genossen haben und wahrscheinlich nicht nochmal erleben werden. Am Nachmittag wurden wir dann auch Nhy und Ler vorgestellt. Die beiden waren unglaublich freundlich und auch die anderen Familienmitglieder waren unheimlich nett und wir haben uns so gut es ging, im gebrochenem Englisch, mit ihnen unterhalten. Unser Zimmer war völlig in Ordnung, ausgestattet mit zwei Matratzen, Kissen und Decken und einem Mückennetz. Die Unterkunft war wirklich sauber und wir haben uns rundum wohlgefühlt.

Es muss einem aber bewusst sein, dass man dort bei einer ganz normalen Familie in einem Dorf in Kambodscha lebt. Gekocht wurde in einer für europäische Verhältnisse unhygienischen Küche auf offenem Feuer. Das Essen, das meist aus Reis, Gemüse und Fleisch oder Ei bestand, war jedoch sehr gut. Das Badezimmer bestand aus einer Stehtoilette und einem Wasserbecken mit Schöpfer als Dusche. Allerdings hatten wir das Glück, dass das Haus unserer Familie mit dem Stromgenerator der Schule verbunden war und so hatten wir sogar Licht und konnten unsere Handys aufladen. Wir wurden wirklich rundum versorgt und haben unsere Gasteltern sehr ins Herz geschlossen.

Im Beitrag von nächster Woche beweisen Mascha und Joaquin ein Höchstmaß an Kreativität.

Neue Bänke und Zäune

Alles neu machte der Januar….

Neue Zäune und Bänke werden gebautUnsere gute Seele des Angkor Kids Center Chhay hat mir ein Foto von Schülern geschickt, die es sich auf neuen Bänken vorm neu eingezäunten Areal der Schule gemütlich gemacht haben.

Dies ist das Ergebnis einer weiteren erfolgreichen Zusammenarbeit mit tatkräftigen Unterstützern aus der Wirtschaft, sowie Helfern aus dem Angkor Kids Center. Es wurde gehämmert, gestrichen, gewerkt und gemalt und das Resultat kann sich sehen lassen – neue Bänke für die Kinder und ein verbesserter Zaun, der nicht nur nützlich ist, sondern bunter nicht sein könnte. Die Schule wird immer mehr zu einem kindgerechten Ort, der nicht nur Wissen, sondern zusätzlich Freude spendet.

 

Mein Einsatz in Kambodsch Resümee

Mein Einsatz im Ausland: Resümee und Dankeschön

Nun ist es wirklich soweit: Mein Einsatz im Ausland ist vorüber. Die Zeit in Kambodscha bei dem großartigen Schulprojekt Angkor Kids Center zählt sicher zu den wertvollsten und lehrreichsten Erfahrungen meines Lebens und ist wie im Flug vergangen. Ich habe persönliche Grenzen überschritten, war sogar Pionierin durch meinen Aufenthalt als erste „Ausländerin“ hier im Dorf und durfte Teil einer engen Gemeinschaft von wundervollen Menschen sein. Ich habe viel gelernt, gelacht, war manchmal auch frustriert und etwas einsam (vor allem durch die Sprachbarriere) – aber generell glücklich und dankbar.

Gemeinsam haben wir in sehr kurzer Zeit viel geschafft und ich habe hoffentlich bleibende Spuren hinterlassen. Das Resümee:

  • Notwendige administrative Grundlagen wurden durch Einstufungstests, Schülerregistrierung und –Statistiken, Klasseneinteilung, Klassen- und Lehrerbücher sowie Schulbibliothek geschaffen.
  • Infrastrukturen wurden durch Wiederherstellung der Wasserversorgung und Toiletten, Verbesserung des Gesamteindruckes der Schule durch entsprechende Reinigungsaktionen, Drucker, PC-Arbeitsplätze für Lehrer, Umwandlung der Bibliothek in einen Aufenthalts- und Arbeitsraum hergestellt.
  • Donor-Management und PR Maßnahmen in Form von Koordination und Organisation interkultureller Workshops mit drei Schülergruppen sowie linkedIn Profil und regelmäßigen Blogbeiträgen meiner ganz persönlichen Erfahrungsberichte über das Hilfsprojekt in Kambodscha.
  • Training für Lehrer in Form von regelmäßigem Englischunterricht- und EDV-Grundlagenkurs sowie Management- und EDV-Training für Chhay.

7 Wochen in KambodschaDer Abschied fällt schwer und wurde mir durch eine Abschiedsfeier mit allen Lehrern und dem Projektleiter, sowie durch viele persönliche Danksagungen und einer Urkunde für meine Leistungen, auf die ich sehr stolz bin, nicht gerade leichtgemacht. Auch mein letztes Lehrertraining, bei dem wir einen sehr lustigen Spieleabend verbracht haben, hat mich nochmal erkennen lassen, welch großartige Menschen ich hier zurücklasse. Menschen, die sich unentgeltlich und ohne Gegenleistung in ihrer Freizeit für andere einsetzen, um damit einen dringend notwendigen Beitrag für eine bessere Zukunft der Schüler zu leisten. Ich möchte mich deshalb nochmal bedanken bei den tollen, jungen, engagierten Lehrern, die mich so offen in ihre Runde aufgenommen haben: Chenda, Sith, Kroem, Joub, Chork und Cham, den ich erfreulicherweise davon überzeugen konnte, zu unterrichten. Mein ganz besonderer Dank gilt allerdings dem wunderbaren Lehrer, begabten Handwerker, Organisationstalent mit unglaublich schneller Auffassungsgabe und meinem lieben Kollegen Chhay, der mir immer zu Seiter gestanden ist. Zusätzlich noch vielen Dank an Samnang, den Projektleiter des Angkor Kids Center, ohne den ich vieles nicht umsetzen hätte können und der in jeder Situation stets Ruhe bewahrt hat.

Meiner Gastfamilie danke ich für die liebevolle Versorgung, die es mir sehr leicht gemacht hat, mich in Kambodscha von Anfang an wohl zu fühlen.

Selbstverständlich auch herzlichen Dank an Andreas, den Vorstand von HELPUCATION e.V., ohne den ich gar nicht hier wäre. Seine Motivation und Begeisterung waren ansteckend und haben mich dazu bewogen, meine Sicherheit zu Hause aufzugeben und dieses Abenteuer zu wagen. Es hat sich gelohnt! Vielen Dank auch an das restliche Team (vor allem Julia und Kolja), das mich von zu Hause aus mit aufbauenden Worten und Feedback unterstützt hat.

Zu guter Letzt noch ein großes Dankeschön an meine Freunde und Familie insbesondere meiner Mama – ohne die ich das alles hier nicht geschafft hätte. Ihr wart großartige Zuhörer, Fürsprecher, Ratgeber, Spender und Wegbegleiter. Ganz besonderen Dank an meine Herzensmenschen Sarah, Sabine und Harry, die immer ein offenes Ohr für mich hatten, wenn es mal schwierig wurde. Harry danke ich auch noch dafür, dass er die beschwerliche Reise auf sich genommen hat, um sich eine Woche mit mir ins Abenteuer Kambodscha zu stürzen und meine Welt kennenzulernen. Und vielen Dank an meine sehr gute Freundin Ulrike für ihre tatkräftige Unterstützung im Bereich Englischunterricht.

Mein Einsatz im Ausland war unbeschreiblich und es bleibt mir nur zu sagen: Verabschieden bedeutet auch, sich auf die nächste Begegnung zu freuen!

Heilung durch Magie?

Mein Einsatz im Ausland: Der Medizinmann

Da ich meine Gastmutter einmal dabei beobachtet habe, wie sie ein krankes Mädchen dadurch “behandelt” hat, dass sie durch Fauchlaute böse Geister vertreiben wollte, war mein Interesse für “Khmer Medizin” bzw. Magie geweckt. Ich habe dann auch sogleich von einem im Dorf ansässigen, aber weit darüber hinaus bekannten Medizinmann erfahren und durch meinen Kollegen Chhay die Möglichkeit erhalten, ihm einen Besuch abzustatten. Wobei wahrscheinlich eher Magier die richtige „Berufsbezeichnung“ ist. Dieser Morgen zählt sicher zu den ungewöhnlichsten Erfahrungen, die ich hier sammeln durfte.

Als wir ankamen, wohlgemerkt in einem sehr schönen, großen Haus mit zwei Autos vor der Haustür, wurden wir gleich in die Behandlungshütte geführt. Der Medizinmann hat völlig unberührt von unserer Anwesenheit die Behandlung fortgesetzt und die Patienten fanden es auch völlig in Ordnung, dass ich dieser beiwohne und fotografiere. Die Abläufe ähneln dem eines Krankenhauses – wer zuerst da ist, wird zuerst behandelt – es werden sogar Nummern vergeben. Am Ende der Sitzung wird bezahlt, der Betrag obliegt jedem einzelnen – wobei den Besitztümern des „Arztes“ nach zu urteilen, dürfte er sehr gut verdienen.

Medizinmann - Heilung durch MagieDie Behandlung ist allerdings sehr ungewöhnlich. Die Patienten legen sich vor dem Medizinmann auf eine Matte und dieser streicht mit einer Kugel aus Reispaste den ganzen Körper oder schmerzhafte Körperpartien entlang. Das Resultat, meist ein Splitter oder Haare/Fasern, die in der Reispaste stecken bleiben und vom inneren des Körpers kommen und die Ursache der Krankheiten sein sollen. Der Patient kann nach der Behandlung, die verwendete Reiskugel, näher in Augenschein nehmen. Die Behandlung, die ca. fünf bis zehn Minuten dauert, findet vor versammeltem Publikum statt – Männer und Frauen gemischt. Dies obwohl die Patienten zum Großteil entblößt sind. Ungefähr zehn Personen werden nacheinander behandelt, anschließend wird ein kurzes Gebet gesprochen. Und danach raucht der rund 30-jährige Medizinmann, der selbst übrigens nicht sehr gesund aussieht, meist eine Zigarette auf der Behandlungsmatte, bevor es weitergeht. Täglich behandelt er zwischen 50 und 100 Patienten – Praxiszeiten sind ausschließlich vormittags. Er hat sich die Fähigkeiten über fünf Jahre hinweg angeeignet und ist auch seit fünf Jahren tätig. Er scheint auch sehr unterhaltsam zu sein – es wird gelacht, getratscht und über andere Patienten gesprochen – eine ärztliche Schweigepflicht gibt es also nicht.

Ein Urteil betreffend Wirkung überlasse ich jedem selbst. Fakt ist, dass Menschen von sehr weit herkommen, um behandelt zu werden. Man wendet sich vor allem an den Medizinmann, wenn die Schulmedizin nicht die gewünschten Resultate erzielt hat (das zum Teil desaströse Niveau der gesundheitlichen Versorgung in Kambodscha mal außer Acht gelassen). Alle Anwesenden haben die sofortige Verbesserung ihres Zustandes bestätigt und viele kommen regelmäßig. Meiner Meinung nach, kann der Glaube Berge versetzen und dieser ist bei allen Patienten zutiefst vorhanden.

Kokusnuß

Mein Einsatz im Ausland: Abenteuer

Da sitzt man ganz ruhig im ersten Stock des Hauses meiner Gastfamilie und schreibt am nächsten Blogbeitrag und auf einmal lacht einem jemand von der Kokosnusspalme gegenüber zu. Selbstverständlich erklimmt er die sicher 20 Meter hohe Palme völlig ungesichert und mit einer Geschwindigkeit, die kaum vorstellbar ist. Die Kokosnüsse werden geerntet und abgeseilt und beim Abstieg bin ich in Stellung, um das Ganze für euch per Video festzuhalten.

Wahnsinn oder? Mir wird schon beim Zuschauen schwindlig (was natürlich auch an meiner Höhenangst liegen kann). Und das schönste, ich durfte gleich eine Kokosnuss gemeinsam mit der Familie probieren. Einfach köstlich.

KokusußgenußUnd weil wir gerade beim Thema Abenteuer sind. Der Einsatz hier in Kambodscha ist definitiv ein Abenteuer für mich. Selten habe ich meine Komfortzone so weit hinter mir gelassen. Ich bin zB die erste „Weiße“, die im Dorf verbleibt, was nicht nur bei den Dorfbewohnern für Neugier und Verwunderung, sondern sogar für Aufregung bei der Polizei und entsprechende Besuche sorgt (warum auch immer – das konnte ich noch nicht genau herausfinden – ich spreche leider kein Khmer und die Polizei kein Englisch). Auch Essen und Unterkunft sind sehr einfach (obwohl sicher schon luxuriös für den Rest des Dorfes). Faustgroße Riesenkäfer im Bad – Vögel, Mäuse und Spinnen im Schlafzimmer und leider auch so manche Maus in der Küche während des Essens. Nicht zu vergessen, ohne Übertreibung, Angriffe von hunderten von Fliegen während des Lehrertrainings (die Schüler meinten nur lapidar – die sind nicht gefährlich – da bin ich ja beruhigt 😉 ) Lustiger weise nehme ich das alles sehr gelassen hin – für die, die mich und meine Ordnungsliebe (und vielleicht sogar leichten Reinlichkeitswahn) kennen – vielleicht umso erstaunlicher. Auch wenn mich der eine oder andere milde belächelt und denkt, diese Frau hat keine Ahnung, was ein richtiges Abenteuer ist – ich fühle mich schon etwas wagemutig 😉 .

Und da fällt mir zu guter Letzt ein Sprichwort ein: „Nur wer das Abenteuer wagt, wird neue Welten entdecken.“

So, jetzt stürze ich mich wieder in mein persönliches Abenteuer. Alles Liebe und bis bald, Laura.

 

Opfer S21

Mein Einsatz im Ausland: Phnom Penh

Nach fast drei Wochen ohne Pause, hatte ich die „Anweisung“ bekommen, mir mal zwei Tage Auszeit zu gönnen, um das Land auch etwas kennenzulernen. Ich beschloss in die Hauptstadt zu fahren. Ich habe sehr gemischte Gefühle in Bezug auf diese Stadt, da sie viele Erinnerungsstätten für die unglaublichen Gräueltaten der Roten Khmer birgt. Allerdings hat sie auch viele schöne Seiten und einiges zu bieten.

Die düstere Vergangenheit von Kambodscha

Das Genozig MuseumIch will gar nicht zu viel auf die geschichtlichen Details dieser Schreckensherrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 eingehen. Es sei nur soviel gesagt, dass 1,7 bis 3 Millionen Menschen (bei 8 Millionen Gesamtbevölkerung!) in dieser Zeit umgekommen sind. Das Grauen kurz zusammengefasst: Pol Pot (links oben im Bild), der Parteiführer, wollte Kambodscha in einen reinen Agrarkommunismus überführen. Alle Menschen sollten also Bauern sein, egal ob sie landwirtschaftliche Erfahrung hatten oder nicht und das 3fache an Ernte erwirtschaften als bisher. Alles Neue wurde verurteilt – Bildung war zum Großteil ein Todesurteil.

Zur Umsetzung dieses utopischen Planes hat er fast die ganze Hauptstadt evakuieren und auf Feldern arbeiten lassen – bis zu 19 Stunden täglich, ohne ausreichende Nahrung. Unzählige Menschen sind verhungert oder erlagen unbehandelten Krankheiten. Menschen mit Bildung, Kontakten zum Ausland etc. wurden als Staatsfeinde angesehen und in Gefängnisse gebracht, wo sie so lange auf unvorstellbare Art und Weise gefoltert wurden, bis sie ein Geständnis abgegeben haben (wie absurd dieses auch immer sein mochte). Eines dieser Gefängnisse, in dem mehr als 12.000 Menschen gefoltert und anschließend zur Hinrichtung zu einem der „Killing Fields“ gebracht wurden, war Tuol Sleng oder S21. Eine ehemalige Schule – einen besseren Ort hätte man kaum wählen können, um die abartige Botschaft, dass Bildung und Fortschritt bestraft gehört, zu senden.

Das Foltergefängnis ist heute ein Genozid Museum. Ein noch immer schrecklicher Ort, an dem man den Verlust der letzten Menschlichkeit und Barmherzigkeit und die nicht mal mit der schlimmsten Fantasie auszudenkenden Gräueltaten noch immer fast greifbar spüren kann. Vor allem die Zellen der Gefangenen sind schrecklich (ich musste mich wirklich fast übergeben). Und nur eine Hand voll Menschen haben überlebt (das Bild mit den sieben Personen zeigt einen Teil davon – drei davon sind heute noch am Leben). Die beigefügten Bilder sagen ohnehin mehr als 1.000 Worte oder ich je könnte, um meine Gefühle diesbezüglich auszudrücken.

HinrichtungsstätteMein Tag war gelaufen und ich dachte mir, ich hake gleich den nächsten schrecklichen Punkt auf der „schwarzen Sightseeing“ Liste ab und besuche noch die „Killing Fields“. Davon gab es damals mehr als 300. Dort wurden die Gefangenen hingebracht, um noch in der gleichen Nacht ermordet und in Massengräbern verscharrt zu werden. Aber es wurde keine Munition verschwendet. Die armen Menschen wurden auf abartige Weise abgeschlachtet (verzeiht mir den Ausdruck – aber es gibt am besten die Realität wider). Ironischerweise ist es heute ein sehr friedvoller, auch schöner Ort – die Natur hat dazu beigetragen, die dunkle Vergangenheit zu verhüllen. Trotzdem ein beklemmendes Gefühl, wenn man noch immer Stoffreste aus der Erde ragen sieht. Aber das Schlimmste war für mich der „Killing Tree“ – dagegen wurden Babys und kleine Kinder so lange mit dem Kopf geschlagen, bis sie tot waren. Heute zeugen hunderte Bänder für das tiefe Mitgefühl der Besucher. Der letzte Stopp ist das Denkmal – ein Tempel in der Mitte der Anlage– bis oben hin gefüllt mit unzähligen Totenköpfen der Opfer.

Der Besuch dieser Orte hat mich schwer beschäftigt und bestürzt – aber es ist auch wichtig, dass diese unvorstellbaren Taten und vor allem die Opfer nicht vergessen werden. Wir alle können nur dafür sorgen, dass diese Geschichte sich nie wieder wiederholt. Das ist doch ein schöner Gedanke.

 

Die schöne Seite der Stadt

Sigthseeing Phnom PenhNach den zwei sehr aufrüttelnden und erschütternden Orten beschloss ich, auch etwas Aufheiterndes zu unternehmen. Eine Bootstour u.a. am Mekong River hat es dann auch geschafft, mich von den schönen Seiten der Stadt zu überzeugen (etwas Pech nur, dass wir nach 10 Minuten umkehren und auf ein neues Boot umsteigen mussten, da das erste kaputtgegangen ist). Trotzdem ein schönes Erlebnis (wenn ich Biertrinkerin wäre noch mehr – denn Bier war im Preis inbegriffen 🙂 )

Am nächsten Tag habe ich dann noch ein paar weitere schöne Dinge gemacht. Die Besichtigung des Wat Phnom – ein Tempel auf einem kleinen Hügel war großartig und hat die notwendige Ruhe, in der sehr lebendigen Stadt gebracht. Vor allem die Menschen beim Beten zu beobachten, wirkt sehr entspannend auf mich. Zum Mittagessen war ich dann bei einem herausragenden Hilfsprojekt – Daughters of Cambodia. Die Organisation betreibt ein kleines Café und einen Shop inklusive kleinem Spabereich und hat dort ehemaligen Sexarbeiterinnen eine Anstellung und somit eine Zukunft gegeben. Ein schönes Projekt und Essen und Shakes waren auch spitze. Das Sightseeing Programm habe ich mit dem Königspalast inklusive Silberpagode abgeschlossen. Sehr schöne Gebäude (leider musste ich vor der Silberpagode wieder mal eine halbe Stunde warten, bis der Regen weniger wurde – nicht gut wenn man seinen Laptop, aber keinen Regenschutz dabei hat 😉 ). Ach ja, man kann auch sehr gut Essen in Phnom Penh. Eine willkommene Abwechslung zu Reis, Fleisch und Gemüse – mein tägliches Mittag- und Abendessen (das soll keine Beschwerde sein – ich werde sehr gut versorgt, aber das Khmer Essen ist nach einer Weile doch etwas eintönig).

Zum Abschluss muss man eigentlich noch seine Anerkennung für dieses Land aussprechen, dass in seiner jüngsten Geschichte, so schwer traumatisiert wurde und die gesamte Bildungsschicht (inklusive fast aller Lehrer) verloren hat. Ich bin froh, hier zu sein und durch meine Freiwilligenarbeit an diesem großartigen Schulprojekt einen winzig kleinen Beitrag zur Hilfe der Kinder von Kambodscha zu leisten.

Mein Einsatz im Ausland: Der Nichtgeburtstag

NichtgeburtstagDie Aufregung ist groß, als ich erfahren habe, dass Samnang, der Projektleiter des Angkor Kids Center, Geburtstag hat. Er hat das Schulprojekt mit Hilfe von HELPUCATION e.V. ins Leben gerufen. Auch hier hat das Schicksal die richtigen Menschen vereint – Samnang und ein deutsches Paar auf Reisen, das ihm die Ausbildung finanziert hat. Aus Dankbarkeit wollte Samnang etwas an die Gesellschaft zurückgeben und hat das Angkor Kids Center gegründet. Eine sehr schöne Geschichte.

 
Nun soll also ein Geburtstagsgeschenk für Samnang her – nur was? Die Idee – ich besorge einen Geburtstagskuchen, den ich dann im Namen von HELPUCATION e.V. übergebe. Der Plan ist gut und auch an der Umsetzung ist es nicht gescheitert. Aber gerade als ich im Tuk Tuk am Weg zum potentiellen Geburtstagskind bin, erhalte ich eine Nachricht, dass Samnang heute doch nicht Geburtstag hat 😉 🙂 Großes Erstaunen, kurze Panik, gefolgt von einem heftigen Lachanfall von meiner Seite. Der neue Plan, die Torte als Willkommensgeschenk zu verkaufen, funktioniert nur bedingt, da in Großbuchstaben Happy Birthday auf der Torte steht.

Trotzdem hat sich Samnang gefreut – er hat die Torte mit seiner Familie genossen und die kleine Anekdote, wird keiner so schnell vergessen. Man muss eben flexibel sein. Und Samnang sollte sein LinkedIn Profil updaten – Monat und Tag sind vertauscht – wir waren deshalb nicht die einzigen Gratulanten zum Nichtgeburtstag 😉 .

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